Die Angst überwinden und sich trauen

„Wow das sieht toll aus!“ sage ich und denke gleichzeitig „Aber das würde ich mich niemals trauen zu tragen!“ Meine Freundin trägt nude-farbige Pumps und einen hautengen trägerlosen roten Jumpsuit, der ihr super steht. Dafür hat sie auch eindeutig die passende Figur! Würde ich den tragen sehe ich sicherlich aus wie wie ein Shar-Pei (ihr kennt doch diese chinesischen Faltenhunde). Jede Falte würde man sehen, jede Delle auf den Oberschenkeln, meine Cellulite… Ich bewundere ihr Outfit weiter und führe einen inneren Monolog „Mit meinem Busen wäre der sowieso unmöglich zu tragen, denn er hat keine Träger, keine Ärmel. Da hüpft bei mir doch alles raus und ich wäre nur am hochziehen… Oder? Wäre ich das? Aber an ihr sieht er traumhaft aus!“

Wie wir unsere Unsicherheit verstecken

Ich überlege was ich aufgrund ihres Grinsens nach meinem Kompliment hinzufüge. „Wow du siehst toll aus aber für mich wäre das nichts“? Nein, wäre zwar ehrlich aber das klingt irgendwie gleich relativiert, sofort wieder negativ, dabei hätte das ja überhaupt nichts mit ihr zu tun, sondern nur mit mir. Für mich sind wir jedoch nicht hier, wir suchen ein Outfit für SIE! Also sage ich „… du kannst echt alles tragen!“. Ob sie meine Unsicherheit wohl auch hinter dieser Aussage bemerkt? Sie legt den Kopf schief. „Ja ist klar, Isa!“ erwidert sie unglaubwürdig. Huch?! Ist sie etwa auch unsicher? Dabei trägt sie doch 36/38 und hat in meinen Augen die perfekte Figur, schlank, aber weiblich. „Find ich schon!“ lache ich und ich erhalte ein Kompliment zurück „Du bist süß! Danke!“. Naja wenn ich schon nicht sexy sein kann, bin ich zumindest süß, denke ich selbstironisch und muss wieder lachen.

Rosen und schwarzer Hut

Die Überraschung: Wir sind nicht allein

Sie kauft den Jumpsuit und scheint glücklich zu sein. Tagesziel erreicht! CHECK. Also gönnt sie sich einen Latte Macchiato und ich einen Chai Latte im Café. Wir sitzen und quatschen, lachen und spaßen und dann kommt etwas, womit ich gar nicht gerechnet hätte: „Danke für deine Begleitung und dass du mir Mut gemacht hast“ sagt sie plötzlich. „Mut wozu?“ frage ich verwundert. „Na, dass ich den Jumpsuit kaufe. Dazu hätte ich mich alleine gar nicht bewegen können!“. Ich sehe sie überrascht mit meinen Rehaugen und einem großen dicken Fragezeichen im Gesicht an, worauf hin sie ein „… mal sehen ob ich mich Zuhause auch alleine überwinde und ihn tatsächlich mal ausführe“ hinzufügt. Da überrollt mich die Erkenntnis, dass sie tatsächlich genauso unsicher ist wie ich. Ich, die seit gut einem Monat diesen schwarzen großen Sommerhut zuhause liegen hat, den sie sich noch nicht getraut hat auch zu tragen.

Rosen und schwarzer Hut
Der Sekretär in meinem Schlafzimmer mit meinem neuen Sommerhut, der bis dato nur als Deko diente…

Sich trauen und sich selbst überwinden

Wir führen ein langes Gespräch über das Thema „Unsicherheit“, „sich trauen“ und „das zu tun, worauf man Lust hat, egal was die anderen denken“.

Wir finden an uns immer Dinge, die bei anderen irgendwie besser, schöner und bewundernswerter sind. Sich Vorbilder für verschiedene Dinge im Leben zu nehmen ist auch richtig und wichtig, allerdings ist es genauso wichtig, sich selbst zu mögen. Zu sich selbst zu stehen und dann auch über sich hinaus zu wachsen. Es gibt einen Unterschied zwischen „seine Schwächen kennen und daran arbeiten“ und „sich selbst aufgrund der Schwächen nicht zu mögen oder sich zu verstecken“. Wenn wir uns selbst mögen und hinter dem stehen, was wir tun, dann ist es doch komplett egal, was andere Leute darüber denken, oder? Denn dann tun wir es für uns und nicht für andere. Und wenn es eben noch so ein kleiner Schritt ist wie einen schwarzen Sommerhut zu tragen und dafür skeptische Blicke zu ernten. ICH fühle mich gut mit dem Hut, denn er gefällt mir optisch und schützt mich im Sommer vor der Sonne. Und wer weiß? Vielleicht sind es ja gar keine skeptischen Blicke für mich sondern vielleicht ärgern sich die Leute ja nur, dass sie sich selbst nicht getraut haben. 😉

Sommerhut
Mein neuer Lieblings-Sommerhut

Nicht nur reden, sondern auch machen!

So lautet doch das Motto und danach habe ich mich auch gerichtet. Deshalb habe ich den Hut auch mehrfach in meinem Bulgarienurlaub getragen! Und soll ich euch was sagen? Es hat sich verdammt gut angefühlt! Also traut euch!

Ich mit meinem Sommerhut im Kornfeld
Ich mit meinem Sommerhut im Kornfeld
Meine Freundin K. und ich
Meine Freundin K. und ich

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