Dreißig werden – Fluch oder Segen?

Dreißig werden und nichts erreicht haben

Heute in genau einem Jahr werde ich 30. Ein Tag, vor dem viele Single-Ladys Angst haben. Dreißig werden und nichts erreicht haben. Keine Familie, kein Haus, keine besondere Karriere. Stattdessen bin ich schon wieder über 2,5 Jahre single, ohne Partner und stehe nicht an einen Wendepunkt in meinem Leben, an dem schon heute meine familiäre Zukunft beginnt und der demnächst durch eine Hochzeit oder eine Schwangerschaft gekrönt wird.

Dafür war ich dieses Jahr zu Gast auf vier Hochzeiten und durfte Zeuge davon werden, wie Menschen, dich ich liebe, den Bund fürs Leben schloßen, während ich als einziger Single an allen 4 Hochzeitstischen saß und grummelnd zum Tisch zurück rannte, als der DJ plötzlich seine Kuschel-Balladen auspackte. Und plötzlich überkam mich ein schlechtes Gewissen: Darf mich so was überhaupt an so einem Tag ärgern? Es geht doch schließlich nicht um mich sondern das ist DER Tag eines befreundeten Pärchens, an dem alles und jeder happy sunshine sein sollte.

Meine Hochzeit allerdings? Ist noch lange nicht in Sicht. Denn ich wohne allein in meiner Wohnung, koche für mich allein, kaufe für mich alleine ein …

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Meine Küche, in der noch immer meist Single-Portionen gekocht werden

… fahre täglich allein meine 6 km zu meinem Büro-Job, verbringe den Nachmittag mit meinem Hund, meinen Freunden, meinen Eltern oder Dingen, die mir Spaß machen, wie meinem Sprachkurs, shoppen, Serien schauen, schwimmen, designen oder bloggen. Ab und zu habe ich eine Phase, in der ich mich auch mal wieder auf Dates einlasse, bevor ich davon dann wieder genervt bin. Hochzeitsplanung? Fehl am Platz! Es gibt aktuell nicht mal einen Partner an meiner Seite, bei dem das in Frage kommen würde. Aber ist das schlimm? Ist mein Leben deshalb weniger wert? Reicht das nicht, was ich habe?

Wer sagt, dass das, was ich habe, nicht genug ist?

Die Gesellschaft, die es anders vorlebt und mich damit bestraft die Rathaustreppe fegen oder Klinken putzen zu müssen, wenn ich ihre Idealvorstellung innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens nicht erfülle? Meine Familie, die sich etwas anderes, besseres, für mich wünscht? Die Filme, Serien und Bücher, in denen es trotz allem schlechten und dramatischen Szenen zwischendurch, doch meist ein Happy End mit ganz viel Liebe gibt?

Ich würde lügen, wenn ich nach 2,5 Jahren sagen würde, ich sei gerne single. Das war vielleicht am Anfang so, als ich gerade frisch eine Trennung hinter mir hatte, enttäuscht war und erst mal genug von Männern hatte. Aber mittlerweile wünscht man sich doch schon wieder jemanden an seiner Seite. Allerdings nimmt der Wunsch nach Zweisamkeit meiner Meinung nach viel zu viele Frauen und Männer in meinem Alter (oder älter) ein. Der Sinn des Lebens ist doch nicht etwas auf Teufel komm raus hinterherzujagen, das man alleine eh nicht beeinflussen kann und wofür es immer 2 braucht. Um letztendlich dann enttäuscht zu sein und sich einsam zu fühlen, wenn es wieder nicht geklappt hat.

Generell sollte man sich bei dem Menschen, mit dem man eine Beziehung eingeht, doch auch sicher sein, dass es passt und Zukunft hat. Anstatt eine Beziehung einzugehen, nur weil man nicht mehr alleine sein möchte. Von meiner Einstellung zu diesem Thema habe ich euch bereits hier erzählt. Ich lebe lieber nach dem Motto „Mach das beste aus dem, was du hast“ und „Genieß dein Leben so wie es ist“. Ein Partner wäre schön, aber mein Leben ist auch ohne schön. Irgendwann wird es schon wieder klappen… vielleicht mit 29, vielleicht auch erst mit 30.

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Heute ist mein 29. Geburtstag – die 30 kann kommen, denn ich bin bereit

Dreißig ist kein Ende – Sondern ein Anfang

Ich weiß wer ich bin, ich weiß was ich will und was ich in meinem Leben nicht gebrauchen kann. Ich werde dreißig und nicht alt! Diese Zahl symbolisiert kein Ende meiner „Jugend“ sondern läutet viel mehr eine neue Zeit ein, in der ich nicht unsicher bin, sondern selbstsicher. In der ich ich bin! Und in der ich weiß, dass ich mich nicht mehr für andere Menschen aufgeben oder verändern muss. Wer mich nicht mag, wie ich bin, der hat in meinem Leben nichts verloren. Statt mich zu ärgern, tu ich im nächsten Jahr lieber folgendes:

Ich erfreue mich an den kleinen Dingen…

… wie wenn eine Freundin, bis 2 Uhr nachts aufgrund eines guten Gesprächs bei mir versackt.
… an einem Spaziergang mit meinem Kumpel K. und meinem Hund, bei dem mich die Sonne im Gesicht kitzelt
… an frischen Blumen, die meine 4 Wände aufhübschen

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… an der Gesundheit meiner Liebsten
… an meinen eigenen privaten und beruflichen Erfolgen
… an guten Essen und netter Gesellschaft
… an materiellen Dingen für die ich lange gespart habe und sie mir dann endlich gegönnt habe
… an meiner neuen Wohnung, in der ich mich pudelwohl fühle
… an meiner Familie, mit der ich gesegnet bin und die noch immer groß ist sowie eher wächst als schrumpft.
… und vor allem auch, wenn meine Freunde ihr Glück gefunden haben. Irgendwann wird das bei mir auch wieder der Fall sein und dann können sie sich für mich freuen 😉

Kuss, eure Isa

16 comments / Add your comment below

  1. Das hast du wirklich auf den Punkt gebracht. Ich finde gesellschaftliche Konventionen so ätzend. Jeder soll so leben wie er möchte. Ich finde deine Einstellung zum Leben fantastisch. Kenne genug Leute, die einem Leben nachjagen, von dem sie nicht mal wissen, ob es überhaupt ihren eigenen Vorstellungen entspricht. Man kann sein Leben immer genießen, es ist eine Entscheidung.

    Hab noch ein schönes Wochenende.
    Liebst
    Eve von http://www.eveblogazine.com

    1. Hi Eve,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast recht, ich kenne leider viel zu viele Menschen, die Sehnsucht nach etwas haben, was sie (zur Zeit) nicht besitzen. Anstatt das zu genießen, was sie haben. Ich persönlich finde das sehr schade. Freut mich, dass ich das mit meinem Text zum Ausdruck bringen konnte 🙂

  2. Ja, gute Einstellung!!!
    Und ich hab bei so vielen Freunden mitbekommen, dass sie innerhalb kürzester Zeit jemanden kennengelernt, geheiratet und ein Kind bekommen (oder andersrum;-) haben. Wenn’s passt, dann passts!
    Und bis dahin genießt du deine Freiheit einfach!

  3. Nichts geschafft zu haben, würde ich nicht sagen.
    Jeder hat sicher nach seinen Prioritäten etwas geschafft. Es ist vielleicht nicht das, was viele erwarten oder eben typisch ist.
    Hauptsache ist doch, dass du geschafft hast, was dir wichtig ist.
    Ich hab bis heute kein Haus, wollte auch nie eins haben.
    Mir ist Familie wichtiger, Kinder und Enkel und einen Beruf, den ich gerne mache.

    Dreißig ist auch nicht alt. Du hast noch so viel Zeit, etwas zu schaffen.

    Liebe Grüße
    Andrea

    1. Hi Andrea,
      genau das auszudrücken, darum ging es mir im Artikel eigentlich. „Haus, Familie, Karriere“ – das sind gesellschaftliche Vorstellungen für Erfolg im Leben. Das müssen nicht unbedingt die eigenen sein.

      LG, Isa

  4. Toller Artikel! Bei mir ist es in zwei Jahren soweit – und ich sehe es auch eher aus der Perspektive, dass es doch auch etwas tolles ist. Wir beschweren uns immer nur über das älter werden. Dabei vergessen wir aber genauso, dass es nicht jedem vergönnt ist, 30 oder älter zu werden.

    Das ganze Konzept mit Familie, Hochzeit etc ist zwar schön, aber auch veraltet. Unser heutiges Leben läuft doch in ganz anderen Zeitwelten ab – viele werden „erst“ mit Mitte/Ende zwanzig mit dem Studium fertig, arbeiten dann das erste Mal… bei mir ist es zumindest auch genau so. 🙂

    1. Hey Mira, vielen Dank für dein Feedback.
      Ja da hast du absolut recht. Früher haben die Mädels nach der Haupt/Realschule mit 15-16 angefangen zu arbeiten. Wenn sie dann mit Mitte 20 Mütter geworden sind, hatten sie bereit 10 Jahre Berufserfahrung.
      Heutzutage machen viele Abitur und ein Studium. Die Anforderungen von Arbeitgebern haben sich gewandelt und mittlerweile wollen, zum Glück, die meisten Frauen auch einen Job ausüben, der sie nicht finanziell abhängig von einem Mann macht. Kinder- und Familienwünsche rutschen da zeitlich erst mal nach hinten.
      Dennoch habe ich dieses Jahr ganz oft „oha, nächstes Jahr knackst du die 30“ gehört. Das ist noch immer irgendwie ein gefürchtetes Alter, vorallem als Single-Dame. Und das find ich schade, es ist nicht anders als 29.

      LG, Isa

  5. Ich werde in ein paar Monaten 30. Aber mal ganz ehrlich, das ist doch nur eine Zahl. Ich bin Single, hab einen Job und eine Katze und das reicht. Ich brauche keinen Mann und kein Haus und Kinder will ich sowieso nicht. 30 ist überhaupt auch noch gar nicht so alt. Find ich jetzt!

    Liebst Daniela
    von http://cocoquestion.de

  6. Bis zur 30 brauche ich noch, aber ich kann das, was du schreibst nachvollziehen. Nur… für die Liebe… lässt man sich nicht zwingen. Sie braucht Zeit und niemand will einen Deppen an seiner Seite haben 😀

    Und ja vier Hochzeiten und man selbst ist Singel so habe ich mich in der Schule gefühlt, wenn alle zusammen als Päarchen da saßen und ich alleine. Von daher kann ich das gut nachempfinden 😀

    Und ich glaube, man kann auch mit 30 noch viel machen. Demnach stimme ich deinem Spruch zu^^

  7. Hey Isa,
    das hast du sehr schön geschrieben! Ich bin dieses Jahr auch 30 geworden, aber ich finde eigentlich, es ist nur eine Zahl. Den Hochzeitsstress habe ich zwar hinter mir (oder viel mehr, wir sind ihm am Ende entflohen, denn so viel sei gesagt: es ist echt Stress! ;-)), aber das ändert irgendwie auch nicht viel. Am Ende geht es doch genau darum, seinen eignenen Weg zu finden, egal was man dachte, dass man mal bis zu einem bestimmten Alter macht oder eben nicht. Was ich auf jeden Fall gelernt habe: Vergleiche mit anderen tun nie gut.
    Zack, auch eine Weisheit die man vielleicht erst „mit dem Alter“ wirklich lernt. 😀
    Liebst,
    Corinna
    http://www.kissenundkarma.de

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