Die IT und mein Weg zu ihr

Wenn ich Menschen erzähle, dass ich in der IT tätig bin, gibt es prinzipiell 3 verschiedene Reaktionen:

    1. Sie zweifeln meine Antwort an.
    2. Sie sind begeistert und neugierig.
    3. Oder sie haben keine Ahnung was ich mache.

Aber eins haben alle 3 Reaktionen gemeinsam: sie zeugen von Überraschung. Es fallen Sätze wie:

Informatiker? Das ist doch ein Männerberuf!

oder

Du siehst gar nicht aus wie ein ITler!

Aber wieso hat die Informatikbranche überhaupt dieses Image? Wieso wird erwartet, dass nur männliche „Freaks“, die keine sozialen Kontakte haben, eine riesige Hornbrille tragen, den ganzen Tag World of Warcraft zocken und noch zu Hause bei Mama leben, sich mit Informatik beschäftigen? Heute räume ich mit diesen Vorurteilen mal auf und zeige euch, dass auch eine mädchenhafte blonde Dame im Kleidchen mit einer Michael-Kors Handtasche und rosa Lippenstift IT-technische Interessen und Fähigkeiten besitzen kann – und vor allem wie es dazu kam.

Mein Weg zur IT

Zu viele Interessen

Ich hatte schon immer viele Interessen: Tiere, Musik, Architektur, Kunst… und somit natürlich in meiner Jugend auch zahlreiche Wunschberufe, die von Tierarzt, über Lehrerin bis hin zur Innenausstatterin reichten. Weil ich nach der Realschule allerdings überhaupt nicht wusste, wofür mein Herz am meisten schlägt, habe ich mich entschieden erst mal Abitur zu machen – so hatte ich noch 3 Jahre Zeit mir darüber klar zu werden. Mit meinen 2 besten Freundinnen entschied ich mich für ein Fachgymnasium mit der Richtung „Ökotrophologie“ (Ernährungswissenschaften) – eher so als Mitläufer, weil es mir letztendlich egal war. Abi ist Abi! Ja ich wüsste also wie man sich gesund ernährt. Nur schmeckt das ungesunde doch meist viel besser. 🙂

Frau in der IT
Als Frau in der IT

Was mir dann aber doch am meisten Spaß machte…

Während meines letzten Realschuljahres entdeckte ich allerdings Photoshop und das Internet für mich, nachdem ich mit 15 endlich einen eigenen PC zum Geburtstag bekommen hatte. Ich beschäftigte mich in meiner Freizeit gerne mit HTML, CSS und Webdesign. Während des Abiturs merkte ich dann, dass mich aufgrund dessen die Themen der Fachrichtung „Informatik“ auf unserem Gymnasium viel mehr interessierten als die unserer Öko-Richtung. Weil es für einen Wechsel allerdings so spät war, versuchte ich nach meinem Abitur einfach mein Glück und bewarb mich für technische Ausbildungsberufe wie Technischer Zeichner, Produktdesigner, Fachinformatiker und Mediengestalter.

Mein Wunschberuf und heutige Reflexion

Flyer entwerfen, Internetseiten designen und Poster von sich an irgendwelchen Bushaltestellen hängen sehen – Mediengestalter wäre mein Wunschberuf gewesen! Allerdings gab es bei uns der Region nicht viele Firmen, die Auszubildende suchten und erst recht keine ohne Praktikumserfahrung in dem Bereich (warum auch immer, schließlich macht man eine Ausbildung ja um es zu lernen!). Also hatte ich letztendlich zwei Angebote auf meinem Tisch: Technischer Produktdesigner bei der IAV oder Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bei H&D. Nachdem ich diese zwei Möglichkeiten hatte, habe ich allen anderen Firmen abgesagt und mir laaaange Gedanken gemacht. Entschieden habe ich mich dann letztendlich für die Informatik.

Wenn ich das heute reflektiere, habe ich alles richtig gemacht. Sich als Mediengestalter mit einem geringen Agentur-Gehalt von Monat zu Monat quälen oder als technischer Zeichner einen Beruf gelernt zu haben, den es heute kaum noch gibt und der überholt ist – nein, danke. Stattdessen habe ich einen innovativen, zukunftssicheren und gut bezahlten Job gewählt, der viel Flexibilität und Abwechslung mit sich bringen kann (dazu später mehr).

IT Namensschild
Mein Büro-Namensschild: Richtige Entscheidung für die IT

Meine Erfahrung in einer Männerdomäne

Als ich die Ausbildung begann, habe ich an mir gezweifelt: „Habe ich mich wirklich für den richtigen Job entschieden?“, „Irgendwie haben alle viel mehr drauf als ich“, „Irgendwie bin ich das einzige Mädchen“. Aber lasst euch eins sagen: Alles was neu ist, macht einem erst mal Angst. Lasst euch von solchen Gedanken nicht dazu bringen hinzuschmeißen, sondern steht zu der Entscheidung, die ihr getroffen habt und gebt ihr zumindest eine Chance. So wie bei mir kann sich das Blatt schnell wenden.

Nachteile = eigentlich Vorteile?

Das einzige Mädchen im Lehrjahr zu sein, entpuppte sich recht schnell eher als Vorteil. An meinen Namen erinnerten sich die Kollegen und Ausbilder, ich wurde wahrgenommen und konnte mich behaupten. Und was die Skills anging: Natürlich hatten die Jungs mehr drauf, denn sie hatten in ihrer Freizeit programmiert, sie hatten an PCs geschraubt, wussten was ein Mainboard und was „die Konsole“ (und damit meine ich keine PS4) ist. Ich hingegen hatte mich bis ich 13 Jahre alt war mit Barbies beschäftigt und danach mit Makeup, Jungs, Mode und Party. Aber was nicht ist, das kann schnell werden. Ihr solltet nicht den Mut verlieren! Anstatt euch einzureden was ihr nicht könnt, solltet ihr eure eigenen Stärken hervorheben.

Soziale Kompetenzen zählen genauso wie Fachkompetenz!

Ich fiel nicht unbedingt mit Fachkompetenz auf, aber dafür mit sozialer Kompetenz und Softskills, mit meinem Engagement und meinem Interesse dafür die Themen zu lernen. So änderte sich auch das Gefühl und die Wahrnehmung nicht so kompetent zu sein ziemlich schnell. Denn ich habe gelernt und das Gelernte auch verinnerlicht. Wo Interesse ist, ist immer auch ein Weg!
So war ich am Ende Klassenbeste mit einem Berufsschul-Abschlusszeugnis von 1,3 und einem IHK Abschlusszeugnis von 91 %. Mir wurde ein Stipendium der IHK angeboten, ich erhielt eine Studienförderung meines damaligen Arbeitgebers und wurde selbstverständlich übernommen. Ich bin also zu einem richtigen Streber mutiert – einem Nerd 🙂 Im positiven Sinne natürlich.
Hätte ich das am Anfang der Ausbildung geglaubt? Niemals!

nerdy
Talk nerdy to me – Marketingkamagne meines aktuellen Arbeitgebers

Nachdem ich beide Erfahrungen gemacht habe (3 Jahre Abitur in einer Öko-Klasse mit einem Mädchen:Jungen-Verhältnis von 28:2 und 3 Jahre Ausbildung mit dem Verhältnis 1:15) muss ich sagen, dass ich es viel angenehmer finde mit Männern zusammenzuarbeiten. Es gibt weniger Zickenkrieg und Antipathie wird direkt gezeigt anstatt hinterm Rücken die Krallen auszufahren (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel). Als eine kompetente Frau unter zig (oft ebenso kompetenten oder auch mal weniger kompetenten) Männern, lagen meine Karten meist wirklich gut!

Den Wert der IT in der heutigen Gesellschaft

Smartphones, Tablets, Streaming anstatt TV schauen, Zahlen ohne Bargeld oder EC Karte (z. B. per PayPal oder in China auch per WeChat), automatisierte Bankschalter, online zusammen zocken, skypen anstatt sich zu treffen, digitalisierte Informationen auf der Krankenkassenkarte anstatt Krankenakten durchzuwälzen, Informationen googeln anstatt sich Bücher zu leihen, Fahren mit Navigation, social Media, personalisierte Werbung, Telefonieren mit dem Auto und noch vieles mehr…
Ich hoffe diese kurze Aufzählung, die ewig weitergehen könnte, genügt schon um euch zu verdeutlichen, dass heute fast überall IT ist. Ohne IT wäre unser Leben, so wie wir es mittlerweile kennen, gar nicht mehr möglich.

Serien wie „The Big Bang Theory“ formen das Bild eines Geeks, wenn von Wissenschaften die Rede ist. Aber im Gegensatz zu früher sind diese Personen gar nicht mehr die, die man belächelt. Die, die Ahnung vom Komplexen und Komplizierten haben, sind plötzlich cool. Nerds sind cool! Die Mark Zuckerbergs, Bill Gates, Elon Musks sind Vorbilder anstatt bemitleidete Freaks. Sie verändern die Welt, sind innovativ und werden damit (nebenbei gesagt) auch noch reich…

Und wieso es sich darüber hinaus lohnt sich die IT-Branche mal näher anzuschauen, fasse ich euch jetzt in 7 Punkten zusammen.

In der IT möglich: Zuhause arbeiten
In der IT möglich: Zuhause arbeiten – genial!

7 Unschlagbare Argumente für die Wahl eines IT-Jobs

  1. IT ist eine Branche mit Zukunft. Wo schon in Zukunft eventuell kein Personal mehr aufgrund von Automatisierungen benötigt wird, wird es immer jemanden geben müssen, der sich um diese kümmert.
  2. Als IT-Fachkraft kannst du nicht nur in IT-Firmen tätig sein, sondern in fast allen Branchen. z. B. läuft keine Stadtverwaltung, kein Automobilhersteller, keine Arztpraxis/Krankenhaus und Bank mehr ohne IT.
  3. In vielen Betrieben können ITler auch von Zuhause arbeiten. Das sogenannte Home Office, denn alles was du brauchst, ist ein Laptop und Internetanschluss. So lässt sich Arbeit und Familie perfekt verbinden.
  4. Du arbeitest nur in wenigen IT-Projekten in Schichten. Meist hast du Normalschicht oder sogar Gleitzeit.
  5. Als ITler hast du die Möglichkeit dich selbstständig zu machen, z. B. als Programmierer oder Webdesigner, denn du bist Dienstleister und das geht von überall und mit jeder Rahmenbedingung.
  6. Die Gehälter in der IT-Branche sind deutschlandweit und auch international ganz weit oben. Einstiegsgehälter nach der Ausbildung oder dem Studium bewegen sich in Deutschland zwischen 35.000 und 50.000 € / Jahr. Mit gewisser Berufserfahrung oder Weiterbildungen (z.B. einem Doktortitel o. ä.) kann man sich hocharbeiten auf ca. 70.000 €. Übernimmt man die Projektleitung von IT-Projekten oder ist Consultant (Berater) einer gering vertretenen Technologie können auch 6-stellige Jahresgehälter winken. Wollt ihr mehr dazu erfahren? Dann lege ich euch diese aktuellen Artikel ans Herz: Computerwoche.de: Gehaltsvergleich Informatik-Fachkräfte oder Karrierebibel: Informatik-Fachkräfte
  7. Die Arbeitslosenquote in der IT liegt mit 3 % unter dem deutschen Durchschnitt, denn ITler werden überall gesucht!

… und wenn du dann noch als eine Frau in der Männerwelt gute Arbeit leistest, stichst du automatisch positiv hervor. 😉

Hinterlasst mir gerne eure Meinung dazu in den Kommentaren. Vielleicht gibt es unter euch ja auch welche, die ähnliche oder gar ganz andere Erfahrungen gemacht haben?!

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