Singleleben im 21. Jahrhundert

„Hi, was suchst du denn hier?“ – Diese wahrscheinlich meist gestellte Frage in Singleportalen/-apps hängt mir zum Hals raus, denn sie spiegelt das Singleleben im 21. Jahrhundert so gut wieder wie nichts anderes. Nachdem ich nun schon 3 Jahren single bin und erst kürzlich wieder zwei Freundinnen von mir ihr Glück via Internet gefunden haben, dachte auch ich, ich gebe dem Internet als Singlemarkt nochmal eine Chance. Ja richtig gehört, ich war schon einmal in Single Apps angemeldet, hatte mich dann aber wieder gelöscht, weil mir die Vorstellungen vieler Männer einfach extrem auf die Nerven gingen. Heute möchte ich euch ein paar meiner Erfahrungen schildern.

Nachdem ich euch in Artikeln wie „30 werden – Fluch oder Segen“ oder „Gründe fürs Alleinsein – Ewiger Single“ von meiner Einstellung berichtet habe, das Leben so zu nehmen wie es kommt und glücklich mit dem zu sein, was ich habe, habe ich mich jetzt doch entschieden nochmal nach zu helfen.

WICHTIG: Nehmt den Artikel bitte mit Humor, er ist an einigen Ecken durchaus sarkastisch und etwas fies.


Der Lovoo Check – Zweite Chance für die Liebe

Nach 3 Wochen Aktivität BOOMT mein Profil wortwörtlich. Ich habe mit meinen 2 Fotos über 1.700 Likes erhalten und werde im Durchschnitt täglich ca. 2-3 x angeschrieben. Man könnte also sagen „Es läuft!“

Lovoo
Screenshot meiner Lovoo App

Prinzipiell lässt sich erst mal sagen: Wer nicht attraktiv ist, keine tollen Fotos von sich selbst besitzt und in dem Portal auch präsentiert, hat keine Chance. Hier herrscht die pure Oberflächlichkeit! Mit einem Wisch nach links oder rechts, kann jeder direkt entscheiden, ob jemand hot ist oder not.

Nachdem es das letzte Mal mit Lovoo und mir nicht geklappt hat, nahm ich mir vor dieses Mal etwas offener und toleranter zu sein und die männlichen User nicht direkt in Schubladen zu stecken. Leider hat das auch dieses Mal nicht geklappt…

Typ 1: Offen für Freundschaft plus?

Weil man im Alter von (ich sag mal) 25-35 im Alltag einfach niemanden mehr kennenlernt und dafür viel zu wenig Zeit oder Mut besitzt, können sich Apps wie Lovoo, Tinder, Parship, etc., vor Singles gar nicht mehr retten. Warum? Es ist einfach, unkompliziert, kostenlos und bequem. Wir müssen uns keine tollen Sprüche mehr überlegen, wie wir einander charmant ansprechen können. Stattdessen schicken wir per Tinder lieber 5 Mädeln gleichzeitig ein „Hi. Was geht heute noch?“ – vielleicht hat ja wenigstens eine davon zufällig Zeit und Lust direkt zu uns nach Hause zu kommen. Klappt das nicht, schreiben wir halt den nächsten. Gibt doch genug!

Aber glaubt ja nicht, dass die Männer das tun weil sie ihr Singleleben beenden wollen. Nein! Meist wollen sie dieses nur „verschönern“. Aber mit eine Beziehung? Bloß nicht, schließlich existiert doch die Gefahr, dass man sich dann anpassen, Kompromisse schließen und einschränken müsste. Ein/e Partner/in – das empfinden viele heute als Last. „Langweilig“ habe ich auch schon in dem Zusammenhang gehört! Wir leben doch im 21. Jahrhundert, da gibt es diverse Arten von Beziehungen.
Außerdem gibt es wichtigere Dinge als die Liebe – zu aller erst wäre da die Arbeit und die damit verbundene Karriere und danach denken wir erst mal an uns selbst bevor der Sport und die Kumpels kommen.
„Wieso also nicht die Vorteile des Singlelebens auskosten und dennoch seine Bedürfnisse stillen?“ – das scheint heutzutage der Kerngedanke vieler Männer zu sein.

Wir müssen uns nicht mehr überwinden um eine Frau klar zu machen, wir müssen uns nicht mehr „gut anstellen“ und müssen nicht mal mehr das Haus verlassen. Sondern wir sparen sogar Zeit in dem wir entspannt vom Sofa aus auf Partner-Suche gehen können. Wir sind auf der Suche – aber nach was eigentlich?
Deshalb wird in Single-Apps erst mal direkt mit einem „Hi, was suchst du denn hier?“ abgecheckt, ob man auch dasselbe will und man keine Zeit miteinander verschwendet. Unromantisch wird auf diesem Wege sofort geklärt, ob man offen für unverbindlichen Spaß oder neu modisch – Freundschaft plus – ist. Sucht man etwas anderes, geht man schnell getrennte Wege. „Trotzdem viel Glück noch“ – „Ja danke, dir auch!“ und Wisch – die nächste. Was sich wie ein schlechtes Ebenbild der MTV Serie NEXT (von keine Ahnung wann) anhört, ist das heutige Singleleben im 21. Jahrhundert.

Eines meiner Bilder bei Lovoo
Eines meiner Bilder bei Lovoo

Typ 2: Nerv ich dich?

Besonders für die unsicheren Männer sind Single Apps natürlich eine hilfreiche Alternative Frauen anzusprechen und das nutzen sie auch. Reichlich! An sich find ich das toll und freu mich, wenn sie dadurch eine Möglichkeit haben sich leichter zu überwinden und die Liebe so zu finden. Allerdings habe ich nun schon öfters die Erfahrung gemacht, dass dann beim Schreiben regelmäßig Fragen wie „Stör ich?“, „Ich hoffe es ist ok, dass ich dir schreibe?„, „Willst du mir überhaupt schreiben?“ oder „Nerv ich dich?“ gestellt wurden. Die Antworten auf diese Fragen sind doch ganz simple: Würdest du nerven oder stören, würde ich Möglichkeit 1) es sagen oder Möglichkeit 2) einfach nicht antworten. Und dafür, dass ich gar nicht mit dir schreiben wollen würde, gilt dasselbe. Wenn ihr also in einem Gespräch mit einer Frau seid, auch wenn es schriftlich über einer Single App ist, genießt es einfach und stellt nicht solche dummen Fragen, die direkt deutlich machen, wie total gering euer Selbstwertgefühl ist. Wir Frauen stehen nicht auf schüchterne Sensibelchen, sondern wir wollen jemanden, der mind. auf unserem Level an Selbstvertrauen ist. Frei nach dem Motto „Liebe dich selbst, dann tun dies auch andere!“

Typ 3: Wo warst du?

Diesen Typ kennen sicher einige. Man schreibt einen Abend nett mit einer Person, verabschiedet sich ins Bett und dann ist sie am nächsten Tag einfach nicht online!!!! Was zum Teufel ist mit ihr los? Wenn sie kein Interesse an mir hat, soll sie doch zumindest genug Niveau besitzen mir das zu sagen. Also warte ich schweren Herzens und gebe ihr Zeit bis nach der Arbeit um ein Lebenszeichen von sich zu geben. Doch ab 17 Uhr kann ich nicht mehr. Jeder normale Mensch ist doch um diese Uhrzeit längst zu Hause und online!! Also schreibe ich ihr direkt eine Nachricht wie niveaulos sie ist und dass sie scheinbar viel zu eingebildet, arrogant oder schon viel zu lange single ist um klar zu kommen!

So oder so ähnlich müssen die Männer gedacht haben, die solch eine Egonummer bei mir abgezogen haben. Tut mir Leid, Jungs, aber ich habe ein Leben. 🙂

Etwas harmloser sind die diejenigen, die einen nicht direkt beleidigen aber dennoch eine Rechtfertigung für die Abwesenheit erwarten. Es kommen dann Sätze wie „Oh du lebst ja doch noch!“ oder „Wo warst du denn den ganzen Tag?“. Sorry, aber auch hier no way! Mein Leben dreht sich nicht um eine Single App und die Partnerfindung. Nach 2 Std des „Hi wie gehts – ja gut und selbst? – was machst du beruflich?“-Spielchens gehöre ich noch lange nicht euch und muss euch erklären was ich in jeder Minute meines Lebens tue. Erst recht nicht, wenn ich euch noch nie im Leben gehört oder gesehen habe!

3 Wochen Lovoo – Fazit?

Mein Fazit: Mein Schubladendenken hatte scheinbar eine Daseinsberechtigung!
Natürlich gibt es diese Verhaltensweisen sicherlich auch bei uns Frauen, allerdings kann ich das nicht beurteilen 🙂

Trotz dieser drei immer wiederkehrenden Männer-Stereotypen bei Single Apps gebe ich meine Hoffnung allerdings nicht auf, dass irgendwo da draußen noch „Mr. Right for me“ ist.
Ich bleibe Lovoo also erstmal erhalten und lass mich überraschen was noch so kommt. Irgendwie ist es ja manchmal auch ganz witzig. Ich denke man muss sich nur genug Zeit nehmen und genügend Geduld haben sich die Rosinen rauszupicken.

Ich habe mir jedoch angewöhnt auf meine Intuition zu hören und Kontakte schneller zu beenden wenn ich ein komisches Gefühl habe. Kommt mir etwas spanisch vor, dann spreche ich das an. Wird es mir nicht ausreichend geklärt oder passt für mich nicht mit dem zusammen, was ich suche, dann konzentriere ich mich auf jemand anderen. That’s how it is – Das Singleleben im 21. Jahrhundert.

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